"Kinderglück" im "Jugendglück"

Die Kasseler Musiktage sind vor wenigen Tagen zu Ende gegangen -  höchste Zeit, um von zwei wunderbaren Tagen zu berichten, die die Kinder der 3. Klassen erlebten. Am 30. und 31.10.2013 gab es zwei Ausflugstage der besonderen Art. Früh am Morgen starteten die Klassen 3a und 3b mit dem Linienbus nach Kassel in die Grundschule Am Wall. Dort ging unser Weg in die Turnhalle, wo wir schon hörten, dass sich die Musiker einspielten. Und dann waren vier Musiker des Orchesters der Jungen Deutschen Philharmonie auch schon zu sehen. Sofort kam der Kommentar eines Schülers: "Da ist sie ja - die Band!" Die Junge Deutsche Philharmonie ist ein Orchester, das die besten Musikstudenten der deutschen Hochschulen versammelt. Die im Schnitt 23-Jährigen spielen auf einem Niveau, das deutlich über dem deutschen Orchesterdurschnitt liegt. 
Zusammen mit zwei weiteren Schulklassen (Schule Am Wall und Grundschule Bossental) nahmen die Kinder Platz und vier junge Musiker stellten sich und ihre Instrumente vor: 1. Violine (Miriam), 2. Violine (Tatja), Viola (Robin), Violoncello (Hoang). Anfänglich waren die Kinder irritiert, denn die Musiker hielten und spielten ihre Streichinstrumente wie Gitarren. Und so erklang ein Stück in gezupfter Art, das die Kinder auch sofort erkannten: Die Deutsche Nationalhymne - komponiert als Streichquartett von Joseph Haydn. Es dauerte nicht lange und so wurden die Bögen für die Instrumente noch nach geliefert;-) Die vier jungen Musiker erklärten auf kindgerechte und kompetente Weise ihre Instrumente und gaben einige Hörproben aus dem am kommenden Tag anstehenden Konzert. Immer wieder wurden die Kinder in die Musik einbezogen, so beispielsweise in die Sinfonie Nr. 82 C-Dur mit dem Titel L'Ours ("Der Bär") und wurden aufgefordert sich zum Bärentanz entsprechend zu bewegen. So erhielten die Kinder einige musikalische Kostproben und die Möglichkeit Fragen zu stellen. Der Vormittag verging wie im Flug. Am Ende gab es tosenden Applaus und eine kleine Autogrammstunde.
Am folgenden Tag ging es wieder nach Kassel. Diesmal direkt in die Martinskirche, wo schon bald das große Orchester - die Junge Deutsche Philharmonie - Platz nahm und gespannt auf ihren Dirigenten Paul Goodwin wartete. Die Kinder begrüßten aus den Sitzreihen winkend ihre vertrauten vier Musiker, die sie am Tag zuvor kennengelernt haben. Und dann begann die Generalprobe der Jungen Deutschen Philharmonie für das Eröffnungskonzert, das im Konzert-Programmheft mit dem Thema "Jugendglück" überschrieben steht.
Was für ein "Kinderglück" in der Generalprobe zum Eröffnungskonzert "Jugendglück" dabei sein zu können. Die zwei musikalischen Tage in Kassel waren großartig. Das Erlebte wirkte wirklich lange bei den Kindern nach und sie verfolgten stolz die Kritik in der Kasseler Presse und kamen darüber hinaus auch öfter auf die Kasseler Musiktage zu sprechen. Die Generalprobe war ein echtes Erlebnis für die Kinder. Sie hielten sehr gut durch. Eineinhalb Stunden still sitzen und der Musik zuhören ist eine beachtliche Leistung. Doch dann gab es für die Musiker eine Pause und somit auch für alle Kinder. Die Kinder strömten mitten ins Orchester und ließen sich neugierig Instrumente erklären. Die Musiker begegneten den Kindern mit viel Freude und Offenheit und so gewann man schnell den Eindruck, sie hatten alle ihren Spaß so eine spontan verlängerte Pause mit den Kindern zu haben, um in aller Ruhe auf die vielen Fragen einzugehen und ihnen ihre Instrumente zu zeigen. Teilweise durften die Kinder sogar die Instrumente berühren und auch mal eine Saite anzupfen. Es ergaben sich unvergessliche Momente. Die Kinder waren zum Beispiel sehr fasziniert von dem sehr großen Kontrabasskoffer. Sie bekamen von der Kontrabassistin erzählt, dass man in einem Kontrabasskasten sogar schlafen kann. Da war natürlich die Neugier geweckt und so durften die Kinder testen, mit wieviel Kindern man stehend in dem großen Instrumentenkoffer Platz finden kann. Wir waren sehr überrascht... Es waren sieben Kinder. Ebenso spannend fanden sie das Innenleben eines Cembalos. Auch der Dirigent Herr Goodwin war sehr offen den Kindern gegenüber. Mit Mimik und Gestik nahm er mehrmals Kontakt zu seinen jungen Zuhörern auf. Die Kinder waren recht erschrocken, als er sich an der sogenannten "Bärenstelle" plötzlich dirigierend von den Musikern abwendete, sich zu den Kindern umdrehte und sie dirigierte und zum Mitbewegen des Bärentanzes animierte. 
Nach der Pause kam der Solocellist Jérome Pernoo auf die Bühne. Dies stellte ein weiteres Erlebnis für die Kinder dar. Aus solch nächster Nähe haben die Kinder sicher noch nie einen so großartigen Virtuosen gesehen. Die Kinder kamen aus dem Grinsen nicht mehr heraus, wie wild sich die Frisur des Cellisten beim Musizieren bewegte. Wirklich tolle Tage waren das! Die Kinder, Frau Weyhe und Frau Schröder-Exner waren sehr begeistert und wären am liebsten noch länger in Kassel geblieben.
Die Kinder haben auch schon gefragt, ob wir nächstes Jahr wieder zu den Kasseler Musiktagen reisen:-)

Am Abend fand dann das Eröffnungskonzert statt in der ausverkauften Martinskirche. Ein phantastischer Hörgenuss! An der schon erwähnten "Bärenstelle" war zu beobachten, dass einige Musiker grinsten, da sie ganz sicher an ihre begeisterten Zuhörer vom Vormittag denken mussten. Zwei außergewöhnliche Tage, die uns lange in Erinnerung bleiben werden.

Grundschule Söhrewald

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